Elon Musk stellt smartes Hirn-Implantat vor

Elon Musk, der Gründer von Tesla und SpaceX, hat einen Prototypen für die Verbindung eines menschlichen Gehirns mit einem Smartphone vorgestellt. Das implantierte Gerät soll Informationen zwischen den Neuronen des biologischen Gehirngewebes und den digitalen Chips des Smartphones übermitteln. Es gab hierzu bislang schon erste erfolgreiche Versuche mit Tieren.

Cyborg-Idee von Elon Musk

Die Idee des Tech-Milliardärs und ihre Ansätze zur Verwirklichung klingen im ersten Moment spektakulär, ganz neu ist jedoch beides nicht. Was Elon Musk plant, ist ein Cyborg, also die Verbindung zwischen Mensch und Maschine. So etwas gibt es schon. Dennoch sind Musks Fortschritte beim Schaffen einer elektronischen Verbindung von Alltagsgeräten wie dem Smartphone zum menschlichen Gehirn durchaus bemerkenswert.

Was ist ein Cyborg?

Rein begrifflich meint man mit dem Cyborg (Cybernetic Organism) ein Mischwesen, das aus einem lebendigen Organismus und einer Maschine besteht. Es könnte sich auch um ein Tier und sogar um eine Pflanze handeln, doch meistens sind es Menschen, deren Körper auch künstliche Bauteile enthalten. Rein technisch ist die Bioelektronik für solche Entwicklungen verantwortlich. Diverse Organe und Körperteile erhalten heute schon technische Unterstützung, wenn wir etwa an Herzschrittmacher, künstliche Gliedmaßen und Cochlea- oder Retina-Implantate denken (für Ohren und Augen). Das Gehirn tasten die Forscher allerdings bislang eher selten an. Doch auch hierfür gibt es Beispiele: Der Brite Neil Harbisson hat sich ein Implantat einsetzen lassen, das ultraviolette Strahlung erfasst. Ursprünglich war er von Geburt an farbenblind, nun hat er Supersinne, denn er kann Farben nunmehr hören. Der antennenähnliche Sensor in seinem Gehirn übersetzt die verschiedenen Wellenlängen des Lichts in Vibrationen, die er als Töne wahrnimmt. Er ist auch juristisch als Cyborg anerkannt. Für seinen Sensor benötigt er nämlich eine Haube. Die britische Regierung gestattete ihm schließlich, diese auch auf offiziellen Passfotos zu tragen: Sie gehört zu ihm. Harbisson ist sehr stolz und ein Cyborg-Aktivist, er tritt für die Rechte dieser speziellen Lebensform ein. Die Diskussion um Cyborgs wogt in der Wissenschaftsgemeinde schon seit den 1960er-Jahren hin und her. Seit nunmehr über einem halben Jahrhundert verweisen anerkannte Forscher darauf, dass Menschen es anstreben sollten, ihre Sinne und geistigen Fähigkeiten technisch zu erweitern. Bei Gliedmaßen gibt es das in Form von Prothesen schließlich schon seit ewigen Zeiten, auch innere Organe werden schon länger künstlich ersetzt.

Welchen Weg geht Elon Musk?

Der Entrepreneur präsentierte am Freitag (28.08.2020) den Prototypen eines smarten Geräts, das Informationen zwischen Gehirnneuronen und einem Smartphone austauschen kann. Entwickelt wurde es von Musks Firma Firma Neurolink. Der runde Transmitter misst 23 x 8 mm und kann in einem menschlichen Schädel positioniert werden. Potenzielle Anwendungsbereiche könnten laut Neurolink die Behandlung von Schmerzen, Hörverlust, Sehstörungen, Schlaflosigkeit sowie Gehirnschäden und neurologischen Ausfällen durch Verletzungen des Rückenmarks sein. Künftig wäre es denkbar, solche Verletzungen mithilfe der innovativen Technologie zu überbrücken. Menschen könnten dann möglicherweise nach Unfällen mit Rückenmarksverletzungen wieder laufen. Bislang ist die Folge meistens eine dauerhafte Querschnittslähmung. Elon Musk wollte zum Zeithorizont bis zu solchen Erfolgen noch keine Angaben machen. Doch er ist von seiner Entwicklung überzeugt. Die Neuronen im Gehirn und im Rückenmark seien wie eine Verkabelung, so der Visionär. Sie entsprächen damit einem elektronischen Netzwerk. Dieses könne man folglich mit einem elektronischen Gerät reparieren. Es gibt noch weitere Anwendungen. So soll das bioelektronische Bauteil auch vor Herzinfarkten und Schlaganfällen warnen können. Der aktuelle Prototyp verfügt über Sensoren für die Temperatur im Körper, für Druck und für Bewegungen. Damit könnte es laut Musk die Gesundheit komplett überwachen. Bei einem drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall ändern sich nämlich die betreffenden Werte. Die Kommunikation mit dem Smartphone stellt der Minicomputer im Kopf via Bluetooth her. Er ist mit einer Batterie ausgestattet, deren Kapazität für etwa einen Tag reicht – danach wird sie drahtlos wieder aufgeladen. Musk vergleicht den smarten Helfer mit einem Fitbit (Fitnesstracker), der mit feinen Drähten im Kopf sitzt.

Erfolgreiche Tierversuche mit Gertrude

Gertrude heißt das Schwein, an dem der Chip von Neuralink schon erfolgreich getestet wurde. Es lebt im kalifornischen Fremont und übertrug mithilfe des Transmitters seine Impulse vom Rüssel an einen elektronischen Empfänger. Wenn Gertrude etwas mit ihrem Rüssel berührte, erschienen auf einem Bildschirm entsprechende Signale. Auch aufs Laufband musste das Schwein. Die Informationen waren dann genau genug, um die Aktivierung einzelner Gelenke vorauszusagen.

Menschliches Gehirn soll mit KI mithalten können

Künstliche Intelligenz ist heute in vielen Bereichen dem menschlichen Gehirn überlegen. Durch das Implantat soll dieses ihr nun wieder ebenbürtig werden. Ob das gelingt, müssen Versuche am Menschen beweisen. Noch stehen diese wohl ganz am Anfang, über den genauen Stand schweigen sich Musk und die Vertreter seiner Firma Neurolink bislang aus. Bekannt ist nur, dass Neurolink für die Implantation des Geräts in das Gehirn einen Roboter entwickelte, der die feinsten Leitungen des Miniaturcomputers mit dem Gehirngewebe verbindet. Es sollen nach einem Einsatz des Implantats so gut wie keine Spuren zu sehen sein. Lediglich mit einer kleinen Narbe am Haaransatz müssten die Probanden wohl leben, wie Musk den Reportern versicherte. Er scherzte, dass er momentan selbst den Neurolink tragen könnte, ohne dass es jemand merkt. Allerdings wird wohl die Praxistauglichkeit selbst nach erfolgreichen Versuchen noch eine Weile auf sich warten lassen. Die ersten Neurolinks dürften nämlich enorm teuer sein. Musk hofft nach einigen Angaben, allmählich die Kosten auf wenige Tausend Dollar zu senken. Wenn es dann so weit ist, könnten die Träger des Geräts vielleicht ihren Tesla per Gedanken herbeirufen. Das verspricht Musk jedenfalls halb im Scherz, halb im Ernst am Ende seines Statements.

 

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